
Vier Millionen Menschen in Deutschland haben eine Depression. Diese Krankheit ist die häufigste Ursache für Suizide.
Doch erst durch den Tod von Robert Enke am 10. November 2009 wurde einer breiteren Öffentlichkeit die Dimension der ‘dunklen Krankheit’ bewusst. “Es war wirklich eine Hoffnung, dass jetzt endlich dieser Krankheit mehr Beachtung geschenkt wird.”, erinnert sich ein Betroffener. Doch was ist aus dieser Hoffnung geworden? Was hat Enkes Tod bewirkt? Gibt es heute tatsächlich mehr Verständnis, Sensibilität und Hilfe für die Betroffenen?
["Volksleiden Depression", NDR]
Guten Mittag,
wir, also ich, haben, also habe, es fast geschafft. 10 000 Besucher in noch nicht einmal zwei Wochen. Ich möchte das Wort “geschafft” jetzt wieder streichen und irgendetwas sagen, das traurig klingt und gleichzeitig mutig. Mir fällt nichts ein. Es ist schön, dass drueberleben so viele Menschen interessiert und berührt, dass es abschreckt und schockiert, dass es überrascht und animiert und anspornt und noch ein paar andere Verben, Adejektive und so weiter. Andererseits ist jeder Erfolg von drueberleben auch eine traurige Tatsache, weil es zeigt, dass ich zwar nicht alleine bin, aber genau das auch das Problem ist. Das heißt nämlich, dass da draußen ganz viele wie ich rumlaufen, die sich mit den gleichen Monstern, den gleichen Krisengebieten im Kopf herumschlagen müssen. Wie schade.
[http://drueberleben.wordpress.com]Aus eigener Kraft eine Depression zu überwinden, ist für Betroffene sehr schwer. Es habe Tage gegeben, an denen er halbwegs klargekommen sei, sagte Deisler dem "Stern". "Am nächsten Morgen war alles wieder schlimm. Es kam mir vor, als habe die Krankheit in der Dunkelheit der Nacht Kraft gesammelt. An guten Tagen hatte ich ständig Angst, dass die Spuren der Schwermut wiederkommen." Die Depression habe ihm jegliche Lebensfreude genommen, so Deisler. "Sie hielt mich gefangen in einem Gefühl innerer Leere und Niedergeschlagenheit."
Deisler suchte rechtzeitig Hilfe, und ihm konnte geholfen werden. Viele Selbstmorde könnten vermutlich verhindert werden, wenn nur rechtzeitig jemand eingreifen würde. Die große Mehrheit der 10.000 Selbstmorde und der rund 150.000 Selbstmordversuche in Deutschland, so schreibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, sei vermutlich auf eine nicht oder nicht optimal behandelte Depression zurückzuführen. Enkes Arzt beurteilte ihn aber als nicht selbstmordgefährdet, Enke habe sich von Selbstmordgedanken distanziert.
[Spiegel Online]